Zur Geschichte der Mathematik an der Universität Freiburg

Typus Arithmeticae aus der Margerita Philosophica Zettelkasten Uni Freiburg Büste Ferdinand Lindemann Stolpersteine für Alfred und Therese Loewy

Mathematik im Freiburger Universitätssystem

Darstellung der Geometrie
'Die Geometrie' am
Freiburger Münster

In der Frühzeit der Universitäten wurden zunächst an der sogenannten Artistenfakultät die „sieben freien Künste“ (Artes Liberales) studiert: das Trivium der drei sprachlichen Fächer Grammatik, Logik und Rhetorik und anschließend das Quadrivium der vier mathematischen Fächer Arithmetik, Geometrie, Harmonielehre und Astronomie. Danach wählte man eine der „höheren Fakultäten“ Jura, Medizin oder Theologie.
Aus der Logik (in diesem Zusammenhang meist mit ihrem alten Namen „Dialektik“ bezeichnet) entwickelte sich die Philosophie als Universitätsdisziplin, und aus der Artistenfakultät wurde die Philosophische Fakultät. An ihr wurden Mathematik und Naturwissenschaften gelehrt, die sich allmählich aus Arithmetik, Geometrie und Astronomie herausbildeten. Diese Grundstruktur bestand in Baden bis 1837 fort. Erst 1910 wurde in Freiburg die alte Philosophische Fakultät aufgeteilt in die Philosophische Fakultät und die Naturwissenschaftlich-Mathematische Fakultät.

Vorlesung um 1500
Vorlesung in Freiburg um 1500

Von ihrer Gründung 1457 an wurde also an der Universität Freiburg Mathematik unterrichtet. Der erste Dozenzt war Magister Johann Kerer, der ab Aufnahme des Lehrbetriebs 1460 Vorlesungen über Mathematik hielt. Von einem Mathematikstudium im modernen Sinne ist man aber weit entfernt: Der mathematische Unterricht dürfte im Wesentlichen aus höherer Rechenfertigkeit und Geometrie bestanden haben. Die Professoren der Philosophischen Fakultät waren in der Frühzeit noch Universalisten und wechselten häufig die Lehrstühle und Universitäten. Vollständige Namenslisten gibt es nicht. [Gericke 1955] führt einige Freiburger Mathematikprofessoren der ersten drei Jahrhunderte auf, deren bedeutendster Erasmus Oswald Schreckenfuchs (1511–1575) sein dürfte.

Astronomische Uhr von Thaddäus Rinderle
Thaddäus Rinderle
Astronomische Uhr

Für die Zeit ab etwa 1750 liegen im Großen und Ganzen vollständige Namenslisten der Mathematikprofessoren vor. Während es Anfang des 18. Jahrhunderts fünf Professuren an der Philosophischen Fakultät gab (für Geschichte, Logik, Mathematik, Physik und Rhetorik), wurden in der zweiten Hälfte des Jahrunderts weitere Professuren eingerichtet, u.a. eine für Angewandte Mathematik. Darunter war damals allerdings eher angewandte Physik und Ingenieurwesen zu verstehen. Gelehrt wurden z. B. Vermessungswesen und Militärarchitektur. Unter Mathematik fielen die alten Teildisziplinen Arithmetik und Geometrie, ergänzt durch neuere Entwicklungen wie Algebra, Rechnen mit Logarithmen und Trigonometrie. Differentialrechnung dagegen wurde noch nicht unterrichtet. Immer noch wechselten die Professoren zwischen den Lehrstühlen (so etwa Steinmeyer zwischen Logik und Metaphysik, Mathematik und Physik), allerdings waren die Verhältnisse schon stabiler. Die Universität verfügte zudem über eine Sammlung mathematischer und physikalischer Instrumente, die 1759 einen eigenen Saal bekam und laut [Schneider 2006] „schon eine Art Institut darstellte“, aber anscheinend auch von der Bevölkerung als eine Art Museum genutzt wurde.

Sammlung Geometrischer Modelle
Geometrische Modelle

1837 gab es in Baden eine einschneidende Studienreform: Der elementare Unterricht der Philosophischen Fakultät wurde an die Gymnasien verlagert, und mit dem Abitur war nun ein Studium an einer der Fakultäten ohne das vorherige verpflichtende „Grundstudium“ an der Philosophischen Fakultät möglich. Dadurch entstand ein Bedarf an Fachlehrern an den Gymnasien. In der Folge wurde neben anderen Fächern auch Mathematik als eigenständiges Studienfach etabliert. Mit dieser Studienreform war zunächst ein massiver Rückgang der Studierendenzahlen verbunden: Weniger als 20 der nur noch ca. 250 Freiburger Studierenden waren an der Philosophischen Fakultät eingeschrieben; in den Hochzeiten davor waren es etwa ein Viertel der über 600 Studierenden und es gab bis zu 100 Hörer in den Mathematikvorlesungen.
Gleichzeitig wirkten in dieser Zeit auch die preußischen Reformideen und die Entwicklungen in der Mathematik (Vorbild Gauß): Aus den Mathematikprofessoren wurden allmählich mathematische Forscher. In dieser Übergangszeit war von 1836 bis 1869 Ludwig Oettinger Professor für Mathematik. Seiner Initiative ist die Gründung des Seminars für Mathematik und Naturwissenschaften zu verdanken, Vorgänger des Mathematischen Instituts.

Paul du Bois-Reymond
Paul du Bois-Reymond

Als erster Freiburger Mathematikprofessor im modernen Sinn dürfte Paul Du Bois-Reymond anzusehen sein (der Bruder des berühmte Physiologen Emil Du Bois-Reymond), der von 1870 bis 1874 in Freiburg wirkte. Er hat in Königsberg und Berlin studiert und brachte die damals moderne Mathematik nach Freiburg. Danach begann man auch in Freiburg das Mathematikstudium mit Vorlesungen über Differential- und Integralrechnung und über Analytische Geometrie, auf die höhere Vorlesungen folgen. Neben Du Bois-Reymond lehrte ab 1872 Ludwig Kiepert als außerordentlicher Professor; erst 1894 wurde ein zweites Ordinariat für Mathematik eingerichtet. 1923 kam eine „planmäßige außerordentliche Professur“ für Angewandte Mathematik (nun im modernen Sinn) hinzu, aus der 1954 ein drittes Ordinariat wurde. Die Anzahl der Professuren ist dann bis in die 70er Jahre hinein angestiegen auf etwa 16 und seitdem im Wesenlichen stabil.

48. Breitengrad
Fast auf dem 48. Breitengrad:
Das Mathematische Institut

Wie berichtet wurde 1846 das mathematisch-naturwissenschaftliche Seminar gegründet. Aus diesem Seminar haben sich allmählich Einrichtungen für die Einzeldisziplinen entwickelt; 1902 entstand dann aus dem Mathematischen Kabinett und dem Mathematischen Seminar das Mathematische Institut.
Obwohl Lindemann 1882 in Freiburg die Transzendenz von π bewies, erlebte das Mathematische Seminar erst durch das Wirken von Lüroth einen Aufschwung, und erst mit dem Wirken von Alfred Loewy und seinem Kreis (u.a. Baer, Krull, Scholz) spielte Freiburg in der mathematischen Forschung eine größere Rolle (vgl. [Remmert 2001]).

Darstellung der Mathematik am Institutsgebäude, Hebelstraße 40
Institutsgebäude 1901
Darstellung der Mathematik

1897 wurde innerhalb der Philosophischen Fakultät eine mathematisch-naturwissenschaftliche Sektion eingerichtet, 1901 „zogen Geologie, Mineralogie, Geographie und Mathematik in das neuerbaute Institutsgebäude, Hebelstraße 40“ [Gericke 1955, S. 80], und 1910 wurde die Sektion zur Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät. In ihrem ersten Jahr hatte sie knapp 300 Studierende. Von 1922 bis 1944 war das Mathematische Institut in der Alten Universität untergebracht, ab 1951 wieder im vorherigen Institutsgebäude. 1970 wurde die Naturwissenschaftlich-Mathematische Fakultät mit nun knapp 3000 Studierenden in mehrere Einzelfakultäten getrennt, und aus dem Mathematischen Institut wurde die Mathematische Fakultät. 1996 bezog sie ein eigenes Gebäude im ehemaligen Arbeitsamt. 2002 gab es eine erneute Universitätsreform: Die Mathematik wurde nun wieder als Mathematisches Institut Teil der Fakultät für Mathematik und Physik; die bisher eigenständigen mathematischen Institute wurden zu Abteilungen.

Abteilungen und Einrichtungen

Die Abteilung für Reine Mathematik ist die größte des Instituts. Sie ist Nachfolgerin des alten Mathematischen Instituts und umfasst alle Professuren, die nicht zuvor zu eigenen Instituten oder Abteilungen gehörten.

Von den heutigen vier kleineren Abteilungen des Mathematischen Instituts ist die Abteilung für Angewandte Mathematik die älteste. Sie wurde 1944 von Henry Görtler als Institut für Angewandte Mathematik etabliert, nachdem die Angewandte Mathematik als Gebiet schon seit 1914 durch einen Privatdozenten vertreten war. Von 1957 bis 1977 war zudem das Institut für Angewandte Mathematik und Mechanik der Deutschen Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt an die Universität Freiburg angegliedert.

Ab 1898 wurde im Geiste Felix Kleins für die Didaktik-Ausbildung ein Lehrauftrag an einen „erfahrene[n] Schulmann“ [Gericke 1955] erteilt. Diese Tradition besteht bis heute fort; für drei bis sechs Jahre wird ein Lehrer/eine Lehrerin an die 1953 eingerichtete Abteilung für Elementarmathematik und Didaktik (heute Abteilung für Didaktik der Mathematik) abgeordnet.

Auf Anregung Lüroths entstand 1906 das „Versicherungswissenschaftliche Seminar“; die versicherungs­mathematischen Vorlesungen hielt Loewy. Das Seminar war ein Vorläufer der Abteilung für Mathematische Stochastik, die 1958 als Abteilung für Mathematische Statistik gegründet wurde.g Dietrich Morgenstern kam 1962 auf den ersten Lehrstuhl für Mathematische Statistik nach Freiburg und machte aus der Abteilung ein eigenes Institut.

Die jüngste noch bestehende Abteilung ist die Abteilung für Mathematische Logik: Hans Hermes wurde 1966 aus Münster auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Mathematische Logik und Grundlagen der Mathematik berufen (dem zweiten seiner Art in Deutschland) und baute die damals gleichnamige Abteilung auf. Auch dieses Gebiet hatte mit Zermelo einen Vorgänger.

1987 gründete die Fakultät für Mathematik ein Institut für Informatik, das 1994 in der neuen Fakultät für Angewandte Wissenschaften (heute: Technische Fakultät) aufging.

Ebenfalls aus der Mathematik hervorgegangen, genauer aus dem Institut für Angewandte Mathematik uind Mechanik, ist das Rechenzentrum der Universität Freiburg. 1958 wurde dem Institut von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft eine Zuse 22 als erster Großrechner zur Verfügung gestellt. Theodor Fromme, einer der Programmierer der Z22, war bereits 1951 Gast im Mathematischen Kolloquium.

Eng verbunden mit dem Mathematischen Institut der Universität Freiburg war lange Zeit das 1944 von Wilhelm Süss gegründete Mathematische Forschungszentrum Oberwolfach. Zunächst wurde „Oberwolfach“ vom Mathematischen Institut aus verwaltet; bis 1994 waren die Direktoren ausschließlich Profesoren aus Freiburg. In neuerer Zeit hat sich das MfO zunehmend emanzipiert und gehört seit 2005 der Leibniz-Gemeinschaft an.

Abschließend sei noch der bedeutende Lehrexport des Mathematischen Instituts für andere Studienfächer erwähnt, der sich bereits bei Du Bois-Reymond findet, dessen Vorlesungen zur „niederen Mathematik“ (u.a. über Geschäftsrechnen) auch für „Cameralisten“ gedacht waren. Die heutigen Logik-Vorlesungen für die Informatik und für die Philosophie schließen gewissermaßen den Kreis zu den Anfängen der Universität in den sieben freien Künsten.

Gebäude der Mathematik

Zunächst befand sich die Artistenfakultät in der „Pfauenburse“ am Standort der heutigen „Alten Universität“ in der Bertoldstraße.
Einzelne Bürgerhäuser wurden hier nach und nach zu einem größeren Ensemble vereinigt, später kurz „die Burse“ genannt (Nummer 27 auf dem Sickingerplan von 1589).

Auch nach den Neubauten 1570 und 1725 kann man am Fassaden­verlauf der Alten Universität die Zusammensetzung aus ehemals einzelnen Häusern gut erkennen: Die Pfauenburse lag zwischen Universitätskirche und der am Treppengiebel erkennbaren alten Brandmauer (siehe Foto unten).
Ausschnitt Stadtplan 1589

1578 zog die damals noch kleine Universität in zwei Häuser am Rathausplatz, die (nach erheblichen Umbauten um 1900) heute das „Neue Rathaus“ der Stadt Freiburg bilden.

Hier war bis 1876 das „mathematisch-physikalische Kabinett“ unter­gebracht, eine Sammlung mathematischer und physikalischer Instrumente, von denen noch einige im Uniseum zu besichtigen sind.
Neues Rathaus

Nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 übernahm die Universität das an Stelle der Burse erbaute Jesuitenkolleg als ihr Hauptgebäude, und auch die Mathematik bekam dort Räume. Heute heißt die Anlage „Alte Universität“ und beherbergt derzeit das Uniseum und das University College Freiburg.
Alte Universität

1901 erfolgte der Umzug in ein neu errichtetes Institutsgebäude in der Hebelstraße 40 (jetzt Albertstraße 23b), zusammen mit Geologie, Mineralogie und Geographie. In dem heutigen Geologischen Institut befindet sich nach wie vor einer der Hörsäle der Mathematik.

1922–44 ist die Mathematik wieder in der Alten Universität, danach kriegs- und zerstörungsbedingt an verschiedenen Orten und ab 1951 wieder im Institutsgebäude untergebracht.
Geologisches Institut

Die Abteilung für Angewandte Mathematik (und zunächst auch die Abteilung für Mathematische Logik) zieht 1969 in einen Neubau in der Hermann-Herder-Straße 10; dort sitzt bis heute der Großteil ihrer Mitarbeiter. In diesem Gebäude befindet sich auch das Rechen­zentrum der Universität Freiburg, das als Teil des Instituts für Angewandte Mathematik entstanden ist.

Weitere Abteilungen und Institute sind zunächst auf verschiedene Orte verteilt.
Rechenzentrum (1969)

1996 kommen alle Abteilungen und Institute bis auf die „Angewandte Mathematik“ im ehemaligen Arbeitsamt in der Eckerstraße 1 unter.
Mathematisches Institut

2018 wurde die Eckerstraße in Ernst-Zermelo-Straße umbenannt.
Straßenschild

Besonderes aus der Forschung

Lindemann und die Quadratur des Kreises:

Ernst Zermelo in Freiburg:
  • Heinz-Dieter Ebbinghaus: „Ernst Zermelo, der Schöpfer der axiomatischen Mengenlehre“ aus: „550 Jahre Albert-Ludwigs-Universität Freiburg“, Band 4: Wegweisende naturwissenschaftliche und medizinische Forschung. Herausgegeben von Christoph Rüchardt, Verlag Karl Alber, Freiburg/München 2007 – nur intern zugänglich.

Professoren 1457–1773 (Auswahl)

Die Professoren für Mathematik aus den ersten drei Jahrhunderten sind nur unvollständig bekannt; sie haben zudem oft Lehrstühle und Universitäten gewechselt und waren nicht im eigentlichen Sinne Mathematiker. Wenn ein spezifisches wissenschatfliches Interesse vorlag, galt es häufig eher der Astronomie.

Johannes Kerer (* 1430 in Wertheim; † 1506 in Augsburg)
  • Studium der Artes Liberales in Heidelberg
  • 1457–1474 Professor in Freiburg an der neu gegründeten Universität, lehrte als Erster Mathematik an der Universität Freiburg
  • Nach 1474 Freiburger Münsterpfarrer, 1481 Promotion in Jura, 1481/82 Rektor der Universität Freiburg, ab 1493 Weihbischof in Augsburg
  • Wikipedia
  • Gründete die Studentenburse Collegium Sapientiae (damals Herrenstraße, heute mit der KHG in der Lorettostraße)
Epitaph Johannes Kerer
Epitaph des Johannes Kerer in der Universitätskirche Freiburg
Erasmus Oswald Schreckenfuchs (* 1511 in Merckenstein; † 1575 in Freiburg)
  • Vermutlich Studium in Basel; Schüler von Sebastian Münster
  • 1552–1575 Professor für Mathematik und Hebräisch in Freiburg, 1563/64 Rektor der Universität Freiburg
  • WikipediaMathematics Genealogy Project
  • Nachfolger wurde sein Sohn Laurentius Schreckenfuchs
Kupferstich Erasmus Oswald Schreckenfuchs
Abbildung aus: Jean-Jacques Boissard 'Bibliotheca chalcographica'
Quelle: Wikimedia Commons (Lizenzangaben siehe dort)
Christoph Scheiner (* 1573 in Markt Wald; † 1650 in Neisse)
  • 1620–1621 Professor für Mathematik an der Universität Freiburg;
    erster jesuitischer Mathematikprofessor in Freiburg, nachdem die Philosophische Fakultät 1620 vom Jesuitenorden übernommen wurde
  • Wikipedia
  • Berühmter Astronom, gilt als Mitentdecker der Sonnenflecken
Portrait Christoph Scheiner
Christoph Thomas Scheffler: Portrait von Christoph Scheiner (Ausschnitt)
Quelle: Wikimedia Commons (Lizenzangaben siehe dort)

Professoren 1773–1870

Die Professoren der Mathematik an der Universität Freiburg in chronologischer Reihenfolge ab 1773 (Aufhebung des Jesuitenordens):

Ignaz Zanner (* 1725 in Eichstätt; † 1801 in Freiburg)
  • 1759–1777 (oder 1779?*) Professor für Mathematik, danach für Physik, 1779/80 Rektor der Universität Freiburg
  • Einer der wenigen Jesuiten, die nach Auflösung des Jesuitenordens, der zuvor fast alle Professoren der Fakultät gestellt hatte, weiter an der Universität unterrichten durften.
  • Betreute die mathematisch-physikalische Sammlung, die 1759 einen eigenen Saal erhielt und eine Art frühe Form eines mathematische-physikalischen Instituts innerhalb der Universität darstellte. Restbestände der Sammlung, darunter eine von Zanner konzipierte astronomische Uhr, sind im Uniseum zu sehen.
Astronomische Uhr nach Ignaz Zanner im Uniseum Freiburg
Astronomische Uhr nach Ignaz Zanner im Uniseum Freiburg
* [Gericke 1955] und [Schreiber 1860] differieren hier in ihren Angaben.
Philipp Steinmeyer (* 1710 in Würzburg; † 1797 in Freiburg)
  • 1750–1753 Professor für Mathematik, 1778 (oder 1780?*)–1792 für Reine Mathematik; 1783/84 Rektor der Universität Freiburg
    War zwischenzeitlich Professor für Logik und Metaphysik; wurde nach der Auflösung des Jesuitenordens 1773 zunächst entlassen, 1775 aber als Professor für Physik wieder eingestellt.
  • Deutsche Biographie
  • Brachte die Auffassungen von Christian Wolff (der stark von Leibniz beeinflusst war) nach Freiburg. Dazu [Schreiber 1860]:
    Allerdings mußte er [Wolf's Werke], die ihm von treuen Freunden zugesteckt wurden, in dem Strohsack seines Bettes verbergen, und im größten Geheimniß den Hallischen Philosophen selbst um briefliche Lösung einzelner Zweifel bitten. Durch die Aufhebung seines Ordens (1773) wurde er endlich von dieser Geistestirannei befreit.
Philipp Steinmeyer 'Institutiones Logicae Eclecticae', Titelblatt
Abbildung: Philipp Steinmeyer 'Institutiones Logicae Eclecticae', Freiburg 1771, Titelblatt
Quelle: Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. / B 2226, Lizenz: creative commons BY-SA 3.0 DE
* [Gericke 1955] und [Schreiber 1860] differieren hier in ihren Angaben.
Paris Guiliani (aus Innsbruck)
  • 1776–77 aushilfsweise Professor für Mathematik
Johann Baptist Eberenz (* 1723 in Saspach; † 1788 in Freiburg)
  • 1778–1788 Professor für Angewandte Mathematik (zuvor für Baukunst und für Mechanik), gleichzeitig Wasserbaudirektor und Rheininsel-Inspektor, 1771/72 Rektor der Universität Freiburg
  • Deutsche Biographie
  • Hielt folgende Vorlesungen: „1. Mechanik, 2. Theorie der Schwerkraft, 3. Mühlenbaukunst, 4. Hydrostatik, 5. Hy­draulik, 6. Wasserleitungskunst, 7. Aerometrie, 8. Optik, 9. Dioptik, 10. Catoptik, 11. Perspektive, 12. Sternkunde, 13. Geographie, 14. Schiffahrt, 15. Sonnenuhrenkunst, 16. Zeitrechnung.“ [Gericke 1955, S. 46]
    Eberenz hat auch ein Algebra-Buch verfasst, darin mit dem Begriff der irrationalen Zahl allerdings einige Schwierigkeiten, wie Gericke an einem Beispiel darlegt.
Thaddäus Rinderle (* 1748 in Staufen; † 1824 in Freiburg)
  • 1788–1818 Professor für Angewandte Mathematik, 1792–1795 auch für Reine Mathematik
    Zunächst Benediktinerpater u. a. in St. Peter im Schwarzwald. Der letzte Mönch unter den Freiburger Mathematikern; soll auch als letzter Freiburger Professor Vorlesungen in Mönchskleidung gehalten haben.
  • Badische BiographienWikipedia
    Weiteres aus Rinderles Leben und Wirken in der Rede von Julius Schneller anlässlich der Akademischen Todesfeier für Thaddäus Rinderle, 1826
  • Scheint eine hervorragende Begabung für Arbeiten der praktischen Mechanik gehabt zu haben [...] beschäftigte er sich mit der Anfertigung von allerlei mechanischen Kunstwerken, deren sinnreiche Ausführung ihm 1788 eine Professour für Mathematik in Freiburg verschaffte [...] Wissenschaftliche Arbeiten von ihm sind nicht vorhanden.“ (Lüroth in: Badische Biografien, s. o.)
    Seine astronomische Uhr befindet sich im Furtwanger Uhrenmuseum.
  • Die Inschrift auf seinem Grab lautet:
    Vieles hat er bestimmt mathematisch mit Ziffer und Buchstab.
    Aber die Stunde des Tods bleibt unbekannter als X.

    In seiner Geburtsstadt Staufen ist die Grundschule nach ihm benannt.

Grab von Thaddäus Rinderle auf dem Alten Friedhof in Freiburg Grab von Thaddäus Rinderle
Alter Friedhof in Freiburg
Andreas Seipel (aus Konstanz)
  • 1795–1819 zunächst provisorischer Lehrer für Reine Mathematik, später außerordentlicher Professor
  • [Gericke 1955, S. 47f] schreibt: „Er muß in dieser Stellung recht unglücklich gewesen sein. Sehr bald hatte er sich sowohl mit den Studenten wie mit der Fakultät überworfen.
Carl Heribert Ignatius Buzengeiger (* 1771 in Tübingen; † 1835 in Freiburg)
  • 1819–1835 Professor für (Reine und Angewandte) Mathematik
  • Deutsche BiographieBadische BiographienWikipediaMathematics Genealogy Project
  • Buzengeiger war vermutlich der erste der Freiburger Mathematikprofessoren mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen im Bereich der Mathematik. Er hat eine Einfache und kurze Darstellung der Differential-Rechnung geschrieben, und laut [Gericke 1955] „einzelne Arbeiten über Binomialkoeffizienten, Kettenbrücke, [...] rechtwinklige sphätrische Dreiecke.“ Die Arbeiten, mit denen er sich in der Freiburger Zeit beschäftigt haben soll, sind aber nicht publiziert worden.
  • Karl Feuerbach, der Entdecker des Feuerbach'schen Kreises, war sein Schüler. Zu dessen Veröffentlichung hat Buzengeiger ein vom historischen Standpunkt aus lesenswertes Vorwort geschrieben, in dem er deutlich macht, dass er sich als einen mathematischen Forscher um der Forschung willen begreift:
    Und so ist man eben auf dem Punkt, gestehen zu müssen, daß man zwar keinen Begriff habe, wie die Mathematik noch eine Epoche haben könne, die in ihrer Wirkung einer der bisherigen gleiche; allein das war wohl immer der Fall, ehe eine neue eintrat. [...] Immer bleibt aber dieses Studium an sich gut, edel und fürs ganze Leben vom wichtigstem Einfluß; daher soll dies Niemand abhalten, sich demselben zu widmen. Zudem bleibt das Gebiet dieser Wissenschaft immer doch unerschöpflich, und es läßt sich noch unendlich viel machen, das des Dankes der Zeitgenossen und der Nachkommen werth ist [...]
  • Buzengeiger's Charakter wird als ein überaus liebenswürdiger geschildert, namentlich sein Witz sei von elektrisierender Wirkung gewesen.“ [M. Cantor in: Deutsche Biographie, s. o.]

Grab von Carl Buzengeiger auf dem Alten Friedhof in Freiburg Grab von Carl Buzengeiger
Alter Friedhof in Freiburg
Ludwig Oettinger (* 1797 in Edelfingen an der Tauber; † 1869 in Freiburg)
  • 1836–1869 Professor für Mathematik; 1846/47, 1850/51 und 1862/63 Prorektor der Universität Freiburg.
    Wohl der letzte Freiburger Mathematikprofessor, der auch und zunächst Theologe war.
  • Deutsche BiographieBadische BiographienWikipediaMathematics Genealogy Project
  • Oettinger hat als Erster der Freiburger Mathematikprofessoren in heutiger Weise publiziert: Das Zentralblatt listet 39 Einträge zwischen 1834 und 1868, davon 36 Artikel in Crelles Journal. Cantor in seinem Beitrag zur Deutschen Biographie (s. o.) kritisiert allerdings:
    [...] die 'Untersuchungen über die analytischen Facultäten' [...] darf man dagegen nur mit Vorsicht lesen, da die Benutzung unendlicher Reihen sowie manche Grenzübergänge als leichtfertiger bezeichnet werden müssen, als der Mathematiker sie sich gestatten darf.“
    Lüroth (Badische Biographien, s. o.) schließt sich an:
    Auch steht in einigen späteren [Arbeiten] Oettinger nicht auf dem Standpunkt der Strenge, der doch um 1850 in Deutschland (und schon früher in Frankreich) allgemein als nöthig anerkannt wurde. Bleibenden Werth haben seine fleißigen und scharfsinnigen Untersuchungen über gewisse Glücksspiele und über Staats­anleyen, sowie überhaupt seine Arbeiten über politische Arithmetik.
  • Oettinger war u.a. zeitweise „Beirath in Gewerbschulsachen“ der Kreisregierung in Freiburg und Leiter des Obereichamts Freiburg.
Hubert Müller (* 1840 in Gießen; † 1927 in Freiburg)
  • 1866–1870 Privatdozent und 1870 außerplanmäßiger Professor für Mathematik
  • [Gericke 1955] „1866 wurde er auf Grund einer Abhandlung über Kurvensysteme ersten und zweiten Grades in Freiburg promoviert und zugleich habilitert.“ – „Er ist als Verfasser von Schullehrbüchern bekannt geworden.“
  • Mathematics Genealogy Project

Professoren 1870–1945

Aufgeführt sind die besoldeten Professoren (ordentliche, außerordentliche und Honorarprofessoren).
Privatdozenten, teils mit dem Titel „außerordentlicher Professor“, aber ohne entsprechende Anstellung, waren in dieser Zeit (ggf. mit Link zu Wikipedia): Hans von Mangoldt (1881–82), Jakob Horn (1890–92), Wolfgang Krull (1922–28), Heinrich Kapferer (1926–41), Reinhold Baer (1928), Arnold Scholz (1930–34), Wilhelm Maier (1937).

In den folgenden Beschreibungen sind nur einige Besonderheiten aufgeführt, häufig mit Bezug zu Freiburg. Sie enthalten keine Würdigung des mathematischen Werkes, die man aber unter den angegeben Links findet.

Paul Du Bois-Reymond (* 1831 in Berlin; † 1889 in Freiburg)
  • Uni Freiburg: 1870–74 ordentlicher Professor für Mathematik
    Unter Du Bois-Reymond begann das moderne Mathematikstudium in Freiburg.
  • Akad. Biografie: Studierte zunächst Medizin, dann Mathematik in Königsberg und Berlin, wo er 1859 bei Eduard Kummer promoviert wurde. Habilitation 1865 in Heidelberg und dort dann außer­ordentlicher Professor. Aus Freiburg wurde er nach Tübingen (Doktorvater von u. a. Otto Hölder) und schließlich an die TH Berlin berufen.
    Mitglied der Leopoldina
  • Links: Deutsche BiographieWikipediaMacTutorMathematics Genealogy Project
  • Dokumente: Materialsammlung zu Du Bois-Reymond in den "Heidelberger Texten zur Mathematikgeschichte"

Paul du Bois-Reymond
Ludwig Kiepert (* 1846 in Breslau; † 1934 in Hannover)
  • Uni Freiburg: 1871 Privatdozent, 1872–77 außerordentlicher Professor für Mathematik
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik in Breslau und Berlin, wo er 1870 bei Karl Weierstraß promoviert wurde. Nach seiner Freiburger Zeit war er Professor in Darmstadt und Hannover.
    Kiepert war Gründungsmitglied der DMV und 1916 deren Präsident.
  • Links: Deutsche BiographieWikipediaMathematics Genealogy Project
  • Bilder: Oberwolfach Photo Collection
Ludwig Kiepert
Johannes Thomae (* 1840 in Laucha an der Unstrut; † 1921 in Jena)
  • Uni Freiburg: 1874–79 ordentlicher Professor für Mathematik
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik in Halle, Göttingen und Berlin und wurde 1864 bei Ernst Schering in Göttingen promoviert. Habilitation 1866 in Göttingen, dann Umhabilitation nach Halle, wo er 1872 außerordentlicher Professor wurde. Nach seiner Freiburger Zeit war er Professor in Jena.
    Mitglied der Leopoldina
  • Links: Deutsche BiographieWikipediaMacTutorMathematics Genealogy Project
  • Bilder: Oberwolfach Photo Collection
  • Literatur: Nachruf von Liebmann im Jahresbericht der DMV 30 (1921).
Johannes Thomae
Ferdinand (von) Lindemann (* 1852 in Hannover; † 1939 in München)
  • Uni Freiburg: 1877–79 außerordentlicher, 1880–83 ordentlicher Professor für Mathematik
    Bewies 1882 in Freiburg die Transzendenz von π (siehe auch „Besonderes aus der Forschung“).
    Nach Lindemann ist der Nachwuchspreis des Mathematischen Instituts benannt.
    Seine Büste steht im Mathematischen Institut.
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik in Göttingen und Erlangen, wo er 1873 bei Felix Klein promoviert wurde. Habilitation 1877 in Würzburg. Aus Freiburg wurde er 1883 nach Königsberg berufen (Doktorvater u.a. von David Hilbert, Hermann Minkowski und Arnold Sommerfeld), 1893 nach München.
    Mitglied der Leopoldina. Wurde 1918 für seine Verdienste geadelt.
  • Links: Deutsche BiographieWikipediaMacTutorMathematics Genealogy Project
  • Bilder: Oberwolfach Photo Collection

Ferdinand Lindemann
Ludwig Stickelberger (* 1850 in Buch, Kanton Schaffhausen; † 1936 in Basel)
  • Uni Freiburg: 1879–94 außerordentlicher, 1894–1919 ordentlicher Professor für Mathematik
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik in Heidelberg und Berlin, wo er 1874 bei Karl Weierstraß promoviert wurde. Habilitation 1874 in Zürich.
    Mitglied der Leopoldina und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • Links: Deutsche BiographieWikipediaMathematics Genealogy Project
  • Literatur: Nachruf von Heffter im Jahresbericht der DMV 47 (1937)
    [...] so erkennt man, daß er sich durchaus den Gaußschen Standpunkt ,Pauca sed matura' zu eigen gemacht hat. Er hat vielfach in grundlegenden Theorien wesentliche Lücken erkannt und ausgefüllt, häufig mit dem Schlußstein einer Entwicklung das letzte Wort gesprochen und der Theorie ihre endgültige, einfachste Form gegeben. [...]
    Die strengen Ansprüche, die er an sich selbst stellte, veranlaßten ihn auch zu solchen an seine Schüler. Seine Vorlesungen galten deshalb als schwer. Gereifte Männer aber, die einst bei ihm gehört haben, erklären, daß man gerade dadurch viel bei ihm lernen konnte.

Ludwig Stickelberger
Jacob Lüroth (* 1844 in Mannheim; † 1910 in München)
  • Uni Freiburg: 1883–1910 ordentlicher Professor für Mathematik; 1889 Prorektor der Universität Freiburg
    Lüroth verhalf der Mathematik in Freiburg zu einem institutionellen Aufschwung und gründete das „Versicherungswissenschaftliche Seminar“.
  • Akad. Biografie: Studierte zunächst Astronomie in Bonn, dann Mathematik in Heidelberg, wo er 1865 bei Otto Hesse promoviert wurde. Weiteres Studium in Berlin bei Karl Weierstraß und in Gießen bei Alfred Clebsch. Habilitation 1867 in Heidelberg, ab 1868 Professor in Karlsruhe und 1880 an der TH München.
    Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
    Zu seinen unbekannteren mathematischen Ergebnissen zählt die Entdecktung der später so genannten "studentschen t-Verteilung".
  • Links: Badische Biographien (Heffter) — Deutsche BiographieWikipediaMacTutorMathematics Genealogy Project
  • Dokumente: Antrittsrede als Prorektor (1889) über die Geschichte der Infinitesimalrechnung
  • Literatur: Nachruf von Brill und Noether im Jahresbreicht der DMV 20 (1911) (oder als pdf)

Jacob Lüroth
Alfred Loewy (* 1873 in Rawitsch bei Posen; † 1935 in Freiburg)
  • Uni Freiburg: 1897 Privatdozent, seit 1902 außerordentlicher Professor, seit 1916 ordentlicher Honorarprofessor, 1919–33 ordentlicher Professor für Mathematik, 1933 zwangsemeritiert unter Rektor Heidegger
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik in Breslau, München, Berlin und Göttingen und wurde 1894 bei Ferdinand Lindemann in München promoviert. Habilitation 1897 in Freiburg. Er war u. a. Doktorvater von Wolfgang Krull und F. K. Schmidt.
    Mitglied der Leopoldina und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • Links: Deutsche BiographieWikipediaMacTutorMathematics Genealogy Project
  • Loewy war seit Ende der 20-er Jahre blind, verfasste daher das Buch „Große blinde Männer“. Er starb 1935 an den Folgen einer Operation. Loewys Frau Therese nahm sich 1940 vor der Deportation das Leben. Stolpersteine für Loewys liegen vor ihrer letzten gemeinsamen Wohnung in der Reichsgrafenstraße 14 und vor Therese Loewys letzter Wohnung in der Katharinenstraße 12 (siehe auch: Stolpersteine in Freiburg: Alfred Loewy, Therese Loewy)
  • Literatur:
    V. Remmert „Alfred Loewy (1973—1935) in Freiburg“ in: Mitteilungen der DMV (3) 1997.

Alfred Loewy
Julius Weingarten (* 1836 in Berlin; † 1910 in Freiburg) Julius Weingarten
Lothar Heffter (* 1862 in Köslin; † 1962 in Freiburg)
  • Uni Freiburg: 1911–31 ordentlicher Professor für Mathematik; 1916/17 Prorektor der Universität Freiburg; 1942 Ehrenbürger der Universität.
    Gründete 1925 den Verein der Freunde der Universität Freiburg, dessen Vorsitz er 1933 niederlegte.
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik und Physik in Heidelberg und Berlin, wo er 1886 bei Lazarus Fuchs promoviert wurde. Zunächst Professor in Gießen, Bonn, Aachen und Kiel.
    Heffter war Gründungsmitglied der DMV und wurde 1952 Ehrenmitglied
    Mitglied der Leopoldina und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • Links: Deutsche BiographieWikipediaMathematics Genealogy Project
  • Dokumente: Letzter Eintrag von Lothar Heffter im Vortragsbuch des Freiburger Kolloquiums
  • Literatur:
    • Nachruf von Tautz im Jahresbericht der DMV 66 (1963)
    • In seiner Autobiografie „Beglückte Rückschau auf neun Jahrzehnte“ (Freiburg 1952) berichtet Heffter ausführlich über seine Freiburger Zeit.

Lothar Heffter
Oskar Bolza (* 1857 in Bad Bergzabern; † 1942 in Freiburg)
  • Uni Freiburg: 1911–32 Honorarprofessor
  • Akad. Biografie: Studierte Maschinenbau, Physik und Mathematik in Berlin, Heidlberg, Straßburg und Göttingen, wo er 1886 bei Felix Klein promoviert wurde. Nach verschiedenen Anstellungen in England und den USA wurde er 1893 Professor an der University of Chicago, kehrte aber 1910 nach Deutschland zurück.
    Mitglied der Leopoldina
  • Links: Deutsche BiographieWikipediaMacTutorMathematics Genealogy Project
  • Bilder: Oberwolfach Photo CollectionMacTutor
  • Literatur: Nachruf von Heffter im Jahresbericht der DMV 53 (1943)
Oskar Bolza
Ernst August Ansel (* 1874 in Ulm; † 1952 in Freiburg)
  • Uni Freiburg: 1913 Privatdozent, 1918–44 außerordentlicher Professor für Angewandte Mathematik
  • Akad. Biografie: Studierte Physik (?) in Stuttgart und Göttingen, wo er 1913 bei Emil Wiechert promoviert wurde. Mitbegründer der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft.
  • Links: Mathematics Genealogy ProjectDeutsche Biographie
Ernst Zermelo (* 1871 in Berlin; † 1953 in Freiburg)
  • Uni Freiburg: 1926–35 und 1946–53 Honorarprofessor für Mathematik. Legte 1935 nach einer Denunziation – da er sich weigerte, seine Vorlesungen mit dem Hitlergruß zu beginnen – gezwungenermaßen seine Honorarprofessur nieder; 1946 wieder eingesetzt.
    2018 wurde die Eckerstraße, in der das Mathematische Institut Freiburg liegt, in Ernst-Zermelo-Straße umbenannt.
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik, Physik und Philosophie in Berlin, Halle und Freiburg und wurde 1894 bei Hermann Amandus Schwarz in Berlin promoviert. Anschließend Assistent bei Max Planck. Habiliterte sich 1897 in Göttingen, wurde dort 1905 Professor. 1910 Lehrstuhl an der Univ. Zürich, den er 1916 aus gesundheitlichen Gründen aufgab.
    Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
    Begründete die axiomatische Mengenlehre: Das Z im Axiomensystem ZFC steht für „Zermelo“. Siehe auch „Besonderes aus der Forschung“.
  • Links: WikipediaMacTutorMathematics Genealogy ProjectDeutsche Biographie
  • Bilder: Oberwolfach Photo CollectionMacTutor
  • Literatur: H.D. Ebbinghaus „Ernst Zermelo. An Approach to His Life and Work“ Springer 2015.

Ernst Zermelo
Gustav Doetsch (* 1892 in Köln; † 1977 in Freiburg)
Gustav Doetsch
Wilhelm Süss (* 1895 in Frankfurt am Main; † 1958 in Freiburg)
Wilhelm Süss
Henry Görtler (* 1909 in Calgary; † 1987 in Freiburg)
  • Uni Freiburg: 1944–53 außerordentlicher, 1953–76 ordentlicher Professor für Angewandte Mathematik; gründete das Institut für Angewandte Mathematik
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik in München und Gießen, wo er 1936 bei Harald Geppert promoviert wurde. 1937–44 war er bei Ludwig Prandtl am Göttinger Kaiser-Wilhelm-Institut für Strömungsforschung und hat sich dort 1940 habilitiert.
    Mitglied der Leopoldina und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • Links: WikipediaMathematics Genealogy ProjectDeutsche Biographie
  • Bilder: Oberwolfach Photo Collection
  • Literatur: Nachruf (Witting)
Henry Görtler

Weitere Informationen, insbesondere zu den Freiburger Mathematikern während der Zeit des Nationalsozialismus, findet man in den Arbeiten von Volker Remmert (ausführliche Literaturliste unten unter „Quellen und Literatur“).

Professoren nach 1945

Aufgeführt sind nur die nach 1945 eingestellten, bereits verstorbenen Professoren – auch Honorarprofessoren, nicht aber außerplanmäßige Professoren, Privatdozenten oder Wissenschaftliche Räte.

(Dieser Abschnitt wird noch nach und nach um weitere Informationen und Fotos ergänzt.)

Gerrit Bol (* 1906 † 1989)
Hans Richter (* 1912 † 1978)
Kuno Fladt (* 1889 † 1977)
Friedrich W. D. Levi (* 1888 † 1966)
  • Uni Freiburg: 1951 Gastprofessor, 1958 Vertretung der Süss-Stelle, 1959–63 Honorarprofessor (Algebra)
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik und Physik in Würzburg, Straßburg, Leipzig und Göttingen, wurde 1911 bei Heinrich Weber in Straßburg promoviert. Habilitation 1919 in Leipzig. 1923 außerordentlicher Professor in Leipzig, als jüdischer Wissenschaftler 1935 entlassen. Ging dann nach Indien an die Universität von Kalkutta und später an das Tata-Institut in Bombay. 1952 Rückkehr nach Deutschland als Professor an der FU Berlin.
  • Links: WikipediaMathematics Genealogy ProjectDeutsche Biographie
  • Literatur: O.H. Kegel, V. Remmert „Friedrich Wilhelm Daniel Levi (1888-1966)“
    in: Wiemers, Gerald (Hrsg.): Sächsische Lebensbilder 5, Leipzig/Stuttgart 2003.

Friedrich W. D. Levi
Joachim Nitsche (* 1926 † 1996)
Theodor Schneider (* 1911 † 1988)
  • Uni Freiburg: 1959–76 Ordinarius für Zahlentheorie (Nachfolge Süss)
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik in Frankfurt am Main, wo er 1934 bei Carl Ludwig Siegel promoviert wurde. Habilitation 1939 in Göttingen, 1953 Professor in Erlangen.
    1959–63 Direktor des Mathematischen Forschungsinstituts in Oberwolfach
    Bewies 1934 den Satz von Gelfond-Schneider, der das 7. Hilbert'sche Problem löst.
  • Links: WikipediaMacTutorMathematics Genealogy ProjectDeutsche Biographie
  • Bilder: Oberwolfach Photo Collection
Helmut Klingen (* 1927 † 2017) Helmut Klingen
Martin Barner (* 1921 † 2020) Martin Barner
Dietrich Morgenstern (* 1924 † 2007) Dietrich Morgenstern
Hans Hermes (* 1912 † 2003)
  • Uni Freiburg: 1966–77 Ordinarius für Mathematische Logik an der neugegründeten „Abteilung für Mathematische Logik und Grundlagen der Mathematik“.
  • Akad. Biografie: Studierte u.a. Mathematik, Physik und Philosophie in Freiburg, Münster und München. Wurde 1938 bei Heinrich Scholz und Adolf Kratzer in Münster promoviert, Habilitation 1947 in Bonn, ab 1953 Professor in Münster (Nachfolge Scholz).
    Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • Links: WikipediaMathematics Genealogy ProjectDeutsche Biographie
  • Bilder: Oberwolfach Photo Collection
  • Dokumente: Nachruf der Fakultät

Hans Hermes
Hermann Witting (* 1927 † 2010) Herman Witting
Friedrich Flohr (* 1927 † 2010)
  • Uni Freiburg: 1963 zunächst Akademischer Rat, 1974–89 Professor für Differentialgeometrie und für Didaktik der Mathematik
  • Akad. Biografie: Studierte in Braunschweig und Freiburg und wurde 1959 bei Martin Barner in Karlsruhe promoviert.
  • Links: WikipediaMathematics Genealogy Project
Rolf Wallisser (* 1937 † 2014) Rolf Wallisser
Karl Nickel (* 1924 † 2009) Karl Nickel
Dieter Wolke (* 1942 † 2015) Dieter Wolke
Helmuth Gericke (* 1909 † 2007)
  • Uni Freiburg: 1934 Assistent von Süss, 1941 Habilitation, 1952–63 außerplanmäßiger Professor, 1984–2007 Honorarprofessor (Geschichte der Mathematik)
    Beschäftigte sich u.a. mit der Geschichte der Mathematik an der Universität Freiburg.
  • Akad. Biografie: Studierte Mathematik, Physik und Erdkunde in Greifswald, Marburg und Göttingen und wurde 1932 in Greifswald promoviert. War ab 1963 Professor für Geschichte der Naturwissenschaften in München.
  • Links: WikipediaMathematics Genealogy ProjectDeutsche Biographie
  • Bilder: Oberwolfach Photo Collection

Berühmte Absolventen und Studenten

Felix Hausdorff (* 1868 in Breslau; † 1942 in Bonn)
Joseph Wirth (* 1879 in Freiburg; † 1956 in Freiburg)
  • Studium der Sozialökonomie und der Mathematik in Freiburg; 1906 Promotion in Mathematik, offiziell bei Ludwig Stickelberger, de facto bei Loewy
  • 1921/22 Reichskanzler der Weimarer Republik
  • Eintrag bei Wikipedia
Rudolf Carnap (* 1891 in Wupptertal; † 1964 in Santa Monica)
  • Studium der Mathematik, Physik und Philosophie in Jena und Freiburg
  • Mitglied des Wiener Kreises, Hauptvertreter des Logischen Empirismus
  • Deutsche BiographieWikipedia
Wolfgang Krull (* 1899 in Baden-Baden; † 1971 in Bonn)
Friedrich Karl Schmidt (* 1901 in Düsseldorf; † 1977 in Heidelberg)
Reinhold Baer (* 1902 in Berlin; † 1979 in Zürich)
Hermann Person (* 1914 in Radolfzell; † 2005 in Gundelfingen)
  • Studium der Mathematik, Physik und Chemie in Freiburg und Karlsruhe
  • 1967–1979 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Südbaden bzw. Freiburg
  • Deutsche BiographieWikipedia

Dokumente

Quellen und Literatur

Zusammenstellung und Text: Markus Junker, Mathematisches Institut, 2019. Die Darstellung stützt sich wesentlich auf [Gericke 1955] und [Remmert 2001].

(Weitere Literaturangaben folgen noch im Laufe der Zeit.)

Literatur zur Mathematikgeschichte Freiburgs:

  • [Gericke 1955] Helmuth Gericke „Zur Geschichte der Mathematik an der Universität Freiburg i.Br.“, Eberhard Albert Universitätsbuchhandlung, Freiburg i.Br. 1955.
  • [Remmert 2001] Volker Remmert „Das Mathematische Institut der Universität Freiburg (1900–1950)“, in: Toepell, Michael (Hrsg.) Mathematik im Wandel. Anregungen zum fächerübergreifenden Mathematikunterricht, Band 2, Hildesheim/Berlin 2001, S. 374–392.
  • Liste aller Publikationen von Volker Remmert mit Bezug zum Mathematischen Institut Freiburg (Stand: September 2019)

Literatur zur Universitätsgeschichte Freiburgs:

  • “550 Jahre Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Festschrift“, Verlag Karl Alber, Freiburg/München 2007. Darin insbesondere:
    • Iris Becher „Naturalia, Scientifica, Artificilia: Die Kabinette des 18. Jahrhunderts und die Anfänge der wissenschaftlichen Sammlungen an der Universität Freiburg“, in: Band 2: Von der hohen Schule zur Universität der Neuzeit, herausgegeben von Dieter Mertens und Heribert Smolinsky.
    • Volker Remmert „Das Problem der Kriegsforschung in Mathematik und Naturwissenschaften: Wilhelm Süss als Rektor und als Vorsitzender der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, in Band 3: Von der badischen Landesuniversität zur Hochschule des 21. Jahrhunderts, herausgegeben von Bernd Martin.
  • [Schreiber 1860] Heinrich Schreiber, Geschichte der Stadt und Universität Freiburg im Breisgau (IX. Lieferung: Von Aufhebung der Jesuiten bis zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts), 1860. Digitalisierter Bestand der UB Freiburg
  • Vorbemerkungen zu Findbüchern des Universitätsarchivs Freiburg:

Literatur zur Stadtgeschichte Freiburgs:

  • Walter Vetter „Freiburg – ein Führer zu Kunst und Geschichte“, Rombach-Verlag, Freiburg i.Br. 1986
  • Peter Kalchthaler „Freiburg und seine Bauten“, Promo-Verlag, Freiburg i.Br. 2006

Abbildungslizenzen

Lizenzangaben und Quellen sind in der Regel als Mouseover-Text bei den einzelnen Fotos hinterlegt.

Im Abschnitt „Mathematik im Freiburger Universitätssystem“: